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Das Palimpsest

Kollektives Gedächtnis in der virtuellen Realität

1998 entdeckten Wissenschaftler, dass mathematische Beweise von Archimedes mit biblischen Texten von Mönchen im 13. Jahrhundert überschrieben worden waren. Solche Dokumente, in denen Überschreibungen neben den eigentlichen Texten existieren, sind bekannt als Palimpseste. Architektur kann auch ein Palimpsest sein: Städte und Gebäude werden abgeändert, neu genutzt, die Spuren ihres frühren Lebens bleiben oft sichtbar.
Das Interactive Architecture Lab der Bartlett School of Architecture überlegt, wie ein urbanes Palimpsest im digitalen Zeitalter aussehen könnte. Mithilfe von 3D Scans und virtueller Realität zeichnet ihr Projekt persönliche Geschichten an verschiedenen Orten Londons auf, die dann im 1:1 Maßstab über die Stadt gelegt werden. Solch ein kollektives Gedächtnis zu bauen ist für das Lab vor allem in Gebieten wichtig, die gerade einen starken urbanen Wandel durchlaufen. Ihre erste Initiative, das Camden Palimpsest, benutzte das UK High Speed Rail 2 Projekt als Fallbeispiel. Es nimmt Geschichten von BewohnerInnen aus Camden auf - einige davon haben aufgrund des Bahnbaus ihre Arbeit und Wohnung verloren - und untersucht, wie ihr Leben verändert wird. Das Virtuelle Palimpsest möchte eine inklusivere Art des Planens entwickeln, mit neuen Technologien, die Gemeinden, Verwaltungen und Planer direkt mit einbeziehen. Die Palimpseste sind zudem historische Dokumente, indem sie digital Geschichten und Orte aufzeichnen, die sonst verloren gehen.



2:04 min | 10/2016 | 446 mal gesehen

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